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Part 1/4

Firella und der Brunnen der Wahrheit


[1/4]

Ihr schien es, als wäre eine Ewigkeit vergangen, seitdem sie das letzte Mal hier war.

Hatte es hier immer schon diese hohe Mauer um das Schloss gegeben?

Die Saphire funkelten vom West-Turm herab. Ein großes, schweres Eichentor schützte das Schloss vor ungebetenen Gästen.

Sie hob die Arme in die Luft, legte dann beide Hände an ihr Kinn, als würde sie einen Kussmund zuwerfen und pustete über ihre Handinnenfläche zum Tor hin.

Mit leisem, altem Knarren öffneten sich die zwei schweren Türen.

Sie schritt durch das Tor, welches sich augenblicklich hinter ihr schloss und blickte in den Hof.

Nichts hatte sich verändert – der große Springbrunnen mit dem Wasserfluss durch das ganze Schloss, die Blumen und ihre Saphire, die im und am ganzen Gebäude zu finden waren.

Das Wasser sprudelte munter vor sich hin, als sie beschloss, es sei an der Zeit, wieder zurück zu kehren.

Noch einen letzten Blick ließ sie über den warm-blühenden Schlosshof wandern, welchen die Untertanen wohl doch gut gepflegt hatten, während ihrer Abwesenheit.

… Wie ungewöhnlich …

Die Frau setzte sich in Bewegung. Vor dem Springbrunnen blieb sie stehen, die Augen vor sich auf den Boden gerichtet.

„Weiß ich, wer ich bin?“, fragte sie sich selbst. Ihre Reise hatte sie sehr durcheinander gebracht.

„Zeige mir, Brunnen, ob ich noch die Frau kenne, die meinen Körper bewohnt!“

Blitzartig richtete sie sich auf, hob den Kopf und starrte fest in die Mitte des Brunnens – dorthin, wo die größte der Fontänen im hohen Bogen sprudelte.

Neptun, als Marmorfigur oben auf dem Brunnen stehend, schien diese Szene still zu beobachten.

Es war, als hätte der Brunnen nun erst plötzlich erkannt, wer dort eigentlich vor ihm stand.

In der Sekunde, als ihre jungen, eis-blauen Augen die Wasseroberfläche mit den Blicken trafen, erstarrte das gesamte Wasser urplötzlich zu Eis! Auch die Blumen wurden glasig und der auf dem Brunnenrand stehende Neptun hatte seine Stellung verändert:

Als sie durch das Tor eingetreten war, hatte Neptun seine rechte Hand auf sein Herz gelegt und hielt seinen Stab mit der linken Hand. Nun jedoch schien seine rechte Hand nach etwas sehr kleinem greifen zu wollen, denn sie war nach vorne ausgestreckt, während der Arm leicht angewinkelt schien. Daumen und Zeigefinger abstehend, wiesen in seine entgegengesetzte Richtung. Sie wusste was zu tun war.

Erleichtert über die Gewissheit, dass sie sich selber treu geblieben war, verlor sie eine einzige Träne, welche sofort zu einer winzigen Eismurmel erstarrte und ihre Wange hinunter glitt.

Die Frau fing ihre Träne auf, stellte sich zu Neptun auf den Brunnenrand und platzierte jene Eis-Träne zwischen seinem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand.

Sie passte perfekt hinein.

Zufrieden stieg sie vom Brunnen, drehte sich um und überquerte den Hof zum Schloss. Die Frau musste schmunzeln, als sie auf den Haupteingang zuschritt.

Damals hatte sie viel Arbeit in die Verzierung des zwei Meter dicken Tores gesteckt. Es war komplett aus undurchdringbarem Glas und es befanden sich per Hand eingearbeitete Saphire und Kristalle darin, sodass ein niemand klaren Einblick in den Thronsaal hatte. Egal, wie lange oder wie oft man vor diesem Tor stand – alles, was sich hinter ihm verbarg, blieb für den Betrachter verschwommen. Nicht mal ein lautes Klopfen konnte gehört werden und schon gar kein Rütteln oder Rufen.

„Fabala Fae“, flüsterte die Frau leise, als sie vor diesem undurchdringlichen, aber wunderschönen Monstrum stand. Mit sanftem Ächzen öffneten sich die teuren Türen für die Frau, die wie selbstverständlich eintrat. Immer an dieser Stelle, wenn sie die Dicker der Türen im ganzen Ausmaß vor sich sah, wurde sie daran erinnert, wie viel Arbeit, Schweiß und Tränen sie ganz alleine in dieses Meisterwerk von Schutz gelegt hatte. Schließlich musste sie ja damals sich gehen, dass es auch richtig gemacht wurde.

Doch plötzlich hörte sie Fußgetrappel und sie lächelte verschmitzt, doch als sie sich umdrehte, war nichts mehr von diesem Lächeln zu sehen.


21.7.08 15:26
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Redsunset (23.7.08 03:13)
Wunderschöne Geschichte..wann kommt Part 2 raus? *g* ... Aus deiner Kurzgeschichte, könnte man ein ganzes Buch machen xD


papillon de nuit / Website (24.7.08 23:55)
Du kannst einfach wundervoll schreiben.Ich danke Dir liebe Katze!

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