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Part 3/4

 

Firella und der Brunnen der Wahrheit


[3/4]

 

Sie schloss die Augen, hob beide in die Höhe und sprach laut und deutlich: „Est mortis, es fundum!“ Durch ihre geschlossenen Augen konnte sie dennoch den Lichtschwall fühlen, der sich durch die Schnittkanten der Holzrose auf dem Boden drückte, sodass das Emblem der Rose durch das Licht sogar an der hohen Decke der Halle zu erkennen war.

Als der Lichtschwall so schnell verschwand, wie er aufgetaucht war, öffnete die Frau ihre Augen. Was sie dort vor ihr erblickte, war ein eher ungewöhnliches Bild:

Es sah aus wie ein kleiner Wirbelsturm – kleine Schneeflocken wirbelten in ständig kreisenden Bewegungen um eine am Boden liegende, echt weisse Rose.

Wie vorhin am Tor legte die Frau ihre Hände flach wie bei einem Luftkuss an ihr Kinn und pustete sanft. Mit einem Ruck wirbelten die Schneeflocken wie ein Schwarm von Zugvögeln durch den Raum. Sie ging einen Schritt nach vorne und streckte ihre rechte Hand aus, sodass sie genau über der Rose in der Luft schwebte. Diese schoss in plötzlichem Flug senkrecht nach oben, sodass die Frau sie ergreifen konnte.

In dem Moment, als die Hand der Frau den Stiel der Rose umschloss, bohrten sich drei große Dornen in ihre Handinnenfläche. Unter rotem Sternenstaub verwandelte sich die Rose in einen langen Stab: Er war größer als die Frau selber, sein Rumpf war aus Glas, adrig durchzogen von Kristallspuren und das Kopfteil war ein einzig großer blau-schimmernder Saphir in der Form einer Rose.

Mit dem Rücken zum Geschehen stehend, sah die Frau dennoch aus dem Augenwinkel den Schneewirbel auf sich zukommen…

Blitzartig – wie eine flinke Katze – drehte sie sich um, stampfte mit dem Fuß des Stabes drei Mal auf den Boden, breitete ihre Arme aus und rief dem Schneegewirbel zu: „FONTES FIRELLA!!!“, bevor er sie umhüllte.

Die Frau fühlte, wie sie vom Boden abhob und nicht hoch über dem Parkett schwebte.

Abermals breitete sie ihre Arme zu den Seiten aus, denn die Frau wusste, es war soweit.

Es fing an ihren Haaren an: Ihr langes, braunes Haar färbte sie im Schneesturm silbern und blaue Saphirperlen flechteten sich wie von Zauberhand eigenständig in manche Haarsträhnen.

Drei Schneeflocken aus dem Wirbel ließen sich auf ihrer linken Halsseite nieder, wo sie augenblicklich mit der Haut verschmolzen und zum Vorschein kam ein großes, blaues Mal in der Form einer solchen Flocke.

Kurz darauf fühlte sie, wie ihr Hemd und Hose vom Leib gerissen wurden. Hunderte der Schneeflocken schmiegten sich nun an ihren Körper – Arme, Beine, Brüste – und sie konnte das Kleid aus dunkelblauem Samt erahnen, welches nun ihren Körper umschloss. Einzelne Schneeflöckchen ließen sich nun auf dem tiefen Blau nieder und so schmückte auf einmal eine Borde aus kleinen glitzernden Kristallen am Dekolletee, an den Ärmeln und am Saum ihr Kleid.

Ihre alten Schuhe schien der Schnee in kristallene Pumps zu verwandeln, sodass sich der Saum des Kleides darin verlief. Die verbleibenden Flocken legten sich auf ihre Hände und auf ihr Gesicht – seidenes Blau auf ihren Lippen und je ein kleines Symbol der glitzernden Schneeflocke auf ihren Fingernägeln. Nur ihre Wimpern waren lang und schwarz wie eh und je.

Als sie ihre Augen öffnete, war der Schnee verschwunden und ein riesiger Thron aus Eis, natürlich mit dem blauen Edelstein verziert, stand in der Mitte des Saals.

Die Frau lächelte, stieg die sieben Stufen war ein Buchstabe ihres Namens eingraviert. Sie schloss die Augen. Ihr rechter Zeigefinger spielte mit einer silbernen Haarlocke.

Dann stand die Frau auf, ging zum schweren Glastor und befahl: „Fabala Fae!“. Das Tor öffnete sich unter lautem Ächzen und die Eiskönigin trat heraus. Ihre Dienerschaft hatte sich auf dem Hof versammelt und gewartet.

 


31.7.08 16:40
 


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